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Veröffentlicht am 17. Januar 2025

Tunesien: Länderkontext

Nach der Revolution von 2011 hat Tunesien einen vielschichtigen demokratischen Übergang eingeleitet, der derzeit durch bedeutende politische Veränderungen unter Präsident Kais Saied gekennzeichnet ist. Seine Machtkonsolidierung im Jahr 2021 führte zu einem stärker zentralisierten Präsidialsystem. Die Parlamentswahlen 2023 und die Präsidentschaftswahlen 2024 verzeichneten zwar eine geringe Wahlbeteiligung, verliefen aber friedlich.

Öffentlicher Verkehr in Sousse (Tunesien) aus Vogelperspektive

Wirtschaftlich steht Tunesien vor grossen Herausforderungen, darunter die Staatsverschuldung und der begrenzte Zugang zu ausländischem Kapital. Einige Indikatoren, wie das Leistungsbilanzdefizit, zeigen jedoch Anzeichen einer Stabilisierung. Die Regierung erkennt die Notwendigkeit von Strukturreformen an, und obwohl die Umsetzung nur langsam erfolgt, besteht Potenzial für eine Verbesserung des Geschäftsumfelds. Die Bewältigung dieser Probleme könnte das Wirtschaftswachstum fördern und Tunesien für Investoren attraktiver machen, zumal die Schattenwirtschaft nach wie vor eine wichtige Rolle im Alltag spielt. Darüber hinaus verschärft die zunehmende Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte durch reguläre Migration die wirtschaftlichen Herausforderungen, da das Land einen Braindrain erlebt, der sein Entwicklungspotenzial einschränkt.

Das Land hat auch mit Umweltproblemen zu kämpfen, insbesondere mit Wasserknappheit und Klimarisiken, die sich auf die wirtschaftliche und soziale Stabilität auswirken. Die Regierung hat jedoch Schritte zur Einführung nachhaltiger Praktiken und zur Verbesserung des Wassermanagements eingeleitet. Im sozialen Bereich gibt es zwar nach wie vor Probleme wie Arbeitslosigkeit und Armut, doch die Anstrengungen zur Verbesserung von Bildung und Infrastruktur unterstreichen das Engagement für eine langfristige soziale Entwicklung. Die anhaltenden Migrationstendenzen tragen ebenfalls zur sozialen Verwundbarkeit bei, da viele Migrantinnen und Migranten mit extremen Bedingungen und begrenzter Unterstützung konfrontiert sind. Die internationale Zusammenarbeit und lokale Reformen können bei der Bewältigung dieser drängenden Probleme eine entscheidende Rolle spielen.

Die Schweiz bleibt eine starke Partnerin auf dem Entwicklungsweg Tunesiens und bietet Unterstützung in wichtigen Bereichen. Die Schweiz konzentriert sich auf die Stabilisierung des Landes und fördert gleichzeitig die notwendigen Reformen. Sie unterstützt unter anderem Projekte in den Bereichen Migration, Klimaresilienz und Bildung für gefährdete Bevölkerungsgruppen. Dank ihrer pragmatischen und flexiblen Zusammenarbeit stimmt die Schweiz ihre Bemühungen auf die Prioritäten Tunesiens ab, insbesondere in den Bereichen lokale Entwicklung, Wassermanagement und Förderung einer sicheren und regulären Migration. Diese langfristige, auf Vertrauen und Zusammenarbeit basierende Partnerschaft zielt darauf ab, Frieden, wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und integratives Wachstum zu fördern und weiterhin einen positiven Beitrag zu Stabilität und Wohlstand in Tunesien zu leisten.

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