Ägypten
Ägypten ist ein Schwerpunktland der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz. Als grösste Volkswirtschaft Nordafrikas und wichtiger Handelspartner der Schweiz weist Ägypten ein grosses Entwicklungspotenzial auf, steht aber gleichzeitig vor komplexen strukturellen Herausforderungen. Die Schweiz engagiert sich seit 1979 in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Ägypten. Das aktuelle Programm des SECO konzentriert sich auf nachhaltige Stadtentwicklung, solide wirtschaftliche Gouvernanz sowie grünes und inklusives Wirtschaftswachstum.
Ägypten befindet sich an einem Wendepunkt: Das bevölkerungsreichste Land der arabischen Welt ist ein wichtiger Wirtschaftspartner der Schweiz. Es liegt strategisch günstig an der Schnittstelle zwischen Nordafrika, dem Horn von Afrika und der MENA-Region und dient als Drehscheibe zwischen Europa, Afrika und Asien. Doch das Land steht vor komplexen Herausforderungen, darunter eine schnell wachsende Bevölkerung von rund 110 Millionen Menschen, anhaltende Armut, von der geschätzt ein Drittel der Bevölkerung betroffen ist, eine hohe Inflation und Auslandsverschuldung sowie eine starke Verflechtung von Militär und Wirtschaft. Diese Faktoren belasten die öffentlichen Finanzen und schränken insbesondere die Perspektiven der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen ein: Frauen, Jugendliche, Flüchtlinge sowie Migrantinnen und Migranten sind überproportional stark betroffen. Ausserdem sind die Auswirkungen des Klimawandels in Ägypten deutlich spürbar: Steigende Temperaturen, Wasserknappheit und extreme Wetterereignisse bedrohen die Lebensgrundlagen im ganzen Land. Gleichzeitig sehen sich ägyptische Städte, die rund 80 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen verursachen, zunehmend mit Problemen in den Bereichen Abfallbewirtschaftung, Umweltverschmutzung und Verstädterung konfrontiert.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, setzt die ägyptische Regierung zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds ein umfangreiches makroökonomisches Reformprogramm um, das die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen, die Umstrukturierung des Steuerwesens und den Abbau von Subventionen umfasst. Hinzu kommt, dass in Ägypten über neun Millionen Migrantinnen und Migranten sowie Flüchtlinge leben, darunter mehr als 1,5 Millionen sudanesische Staatsangehörige, die seit April 2023 ins Land gekommen sind. Dies setzt das ohnehin überlastete System der öffentlichen Dienstleistungen sowie die soziale Sicherung zusätzlich unter Druck. Als Reaktion auf diesen vielschichtigen und sich rasch verändernden Kontext soll das Kooperationsprogramm 2025–2028 Ägypten auf seinem Weg zu einer resilienteren und inklusiveren Entwicklung unterstützen. Durch die Förderung solider Stadtverwaltungen und nachhaltiger Infrastrukturen, die Stärkung der öffentlichen Finanzen und makroökonomischer Reformen sowie durch die Unterstützung grüner und kreislauforientierter Wirtschaftsmodelle arbeitet die Schweiz gemeinsam mit ägyptischen Institutionen, Gemeinschaften und Partnern daran, die Grundlagen für eine gerechtere, nachhaltigere und wohlhabendere Gesellschaft zu schaffen.
Die Schweiz und Ägypten blicken auf eine über 45-jährige Entwicklungszusammenarbeit zurück. Das Schweizer Kooperationsprogramm 2025–2028 für Ägypten wird gemeinsam von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und dem Staatssekretariat für Migration (SEM) umgesetzt.
Das übergeordnete Ziel besteht darin, zu einer klimaresilienten Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft in Ägypten beizutragen. Im Mittelpunkt stehen die Existenzsicherung und der Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen sowie die Förderung wirtschaftlicher Perspektiven und die Stärkung der Gouvernanz.