Serbien: Länderkontext
Die Schweiz unterstützt die Stabilität, den Wohlstand und den Weg Serbiens zur europäischen Integration seit vielen Jahren und hat ihr Engagement schrittweise von der humanitären Hilfe auf die langfristige Unterstützung demokratischer, wirtschaftlicher und energiepolitischer Reformen verlagert. Serbien bleibt nach wie vor ein zentraler Akteur auf dem Westbalkan. Auch wenn der EU-Beitritt weiterhin eine strategische Priorität darstellt, sieht sich das Land mit einer zunehmenden politischen und gesellschaftlichen Polarisierung sowie Herausforderungen in Bezug auf Rechtsstaatlichkeit, Transparenz, Korruption und Medienfreiheit konfrontiert.

Die wirtschaftlichen Fortschritte der letzten Jahre sind beeindruckend (BIP-Wachstum 2023: 3,9 %), verschleiern jedoch die Tatsache, dass die erbrachte Leistung hinter Serbiens Potenzial zurückbleibt, um die nächsthöhere Entwicklungsstufe zu erreichen. Das Wachstumsmodell stützt sich auf ausländische Investitionen und öffentliche Ausgaben. Serbien verfolgt eine aktive Handelspolitik zur Erschliessung neuer Marktzugänge für seine Unternehmen. Allerdings werden ausländische Investitionen oft in Bereiche mit geringer Wertschöpfung gelenkt und Gewinnabflüsse führen häufig dazu, dass keine neuen Investitionen getätigt werden, weshalb an der Nachhaltigkeit dieses Wachstumsmodells gezweifelt werden kann. Besonders lokale KMU sind gegenüber ausländischen Unternehmen oder Staatsbetrieben mit ungleichen Wettbewerbsbedingungen konfrontiert. Im Privatsektor bestehen nach wie vor zahlreiche administrative Hürden, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit und inländische Investitionen behindern. Die Verwaltung der öffentlichen Investitionen könnte hinsichtlich Transparenz und Rechenschaftspflicht verbessert werden. Darüber hinaus werden wichtige strukturelle Reformen verzögert und die verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Regionen profitieren nicht gleichermassen von wirtschaftlichen Vorteilen.
Die Arbeitslosigkeit ist auf einem Rekordtief (8,6 %), aber viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Obwohl der demografische Trend negativ ist und die Abwanderung von Fachkräften sowie die Arbeitsmarktintegration junger Menschen weiterhin Herausforderungen darstellen, war Serbien im Jahr 2024 zum ersten Mal ein Nettoeinwanderungsland (100 000 Einwandererinnen und Einwanderer, meist temporäre Arbeitskräfte, gegenüber 50 000 Ausgewanderten).
Im Umweltbereich hat Serbien durch die Angleichung an den Grünen Deal der EU und die Ratifizierung wichtiger Umweltabkommen Fortschritte erzielt. Infolge des Kriegs in der Ukraine wurde der Diversifizierung der Energiequellen sowie der Dekarbonisierung noch höhere Priorität eingeräumt. So stellte die Regierung die Energieeffizienz und den Übergang zu sauberen Energien ins Zentrum aller nationalen Strategien. Dennoch sollten langfristige Nachhaltigkeitsbemühungen auch den Erhalt der Biodiversität, den Umweltschutz und die Resilienz der Ökosysteme umfassen sowie eine stete Verbesserung der Um- und Durchsetzungskapazitäten.
Mit über 600 in Serbien tätigen Schweizer Unternehmen, die rund 14 000 Personen beschäftigen, ist Serbien auch für die Schweizer Wirtschaft relevant. Das Engagement der Schweiz in Serbien steht im Einklang mit der Schweizer Aussenwirtschaftsstrategie, da es die Resilienz von Entwicklungs- und Schwellenländern fördert. Ausserdem gehören Serbien und die Schweiz zur gleichen Stimmrechtsgruppe innerhalb der Bretton-Woods-Institutionen und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE). Vor kurzem trat Serbien bei der Asiatischen Infrastrukturinvestitionsbank (AIIB) der Stimmrechtsgruppe bei, der auch die Schweiz angehört. Schliesslich lebt ein beachtlicher Teil der serbischen Diaspora (über 57 000 Personen) in der Schweiz und leistet einen Beitrag zur hiesigen Wirtschaft sowie zum kulturellen Austausch zwischen den beiden Ländern.
Nach der EU und Deutschland ist die Schweiz der drittgrösste bilaterale Geber von Finanzhilfen.